Konfliktreicher Weg in die Ökostrom-Ära

(MOZ) Sie gelten immer noch als Symbol der Energiewende in Deutschland, obwohl sie längst neue Konflikte erzeugen: Größtenteils mit Windrädern soll der Ausstieg aus der Atomkraft gelingen. Für Umweltschützer, Öko-Verbände und Politiker gelten sie gleichermaßen als verheißungsvolle Technologie, um sauberen Strom ohne Folgen für die Umwelt produzieren zu können. Durch eine beispiellose Subventionspolitik wurde daher der Boom der Mühlen beflügelt und eine relativ junge Branche zu immer neuen Umsatzrekorden getrieben.
In Brandenburg, wo es nach Niedersachsen die zweitgrößte Anzahl von Windrädern gibt - über 3200 Anlagen stehen bereits zwischen Oder und Elbe -, rühmt sich die Landesregierung gerne als Vorreiter der Erneuerbaren Energien. Dabei kann man sich mit vorderen Platzierungen in bundesweiten Vergleichen schmücken. Doch bei der Ausweisung neuer Gebiete werden Planer zunehmend in Konflikten zwischen Befürwortern und Gegnern von Windrädern aufgerieben. Nach wie vor gibt es in zwei der fünf Planungsregionen keine Rechtssicherheit für den Bau der Rotoren. Und längst sind in vielen Gemeinden die Grenzen der Akzeptanz erreicht - Bürger und zunehmend auch Bürgermeister gehen auf die Barrikaden, wenn die "Verspargelung" vor der Haustür noch größere Dimensionen erreicht und man selbst nicht von den Gewinnen profitiert. Trotz dieses spürbaren Gegenwinds hält die Landesregierung am Ziel fest, die Flächen für Windparks zu verdoppeln.

Auf der anderen Seite stehen immer mehr Investoren bereit, die Druck auf Kommunalpolitiker ausüben, um im Milliardenmarkt mitzumischen. Dabei herrscht seit Jahren ein gnadenloses Windhundprinzip: Wer sämtliche Unterlagen zuerst eingereicht hat, bekommt den Zuschlag. Oft wird getrickst, um Projekte genehmigungsfähig erscheinen zu lassen.

Von der Dynamik des Ausbaus sind zunehmend nicht nur die Anwohner, sondern ist auch die Natur selbst betroffen. Umweltschützer und Umweltbehörden geraten letztlich in eine Zwickmühle: Wenn Tausende Vögel von Windrädern getötet werden, ist das ein großes Problem, was allerdings als Kollateralschaden auf dem Weg zur neuen Ökostrom-Ära hingenommen wird. Gerade die Auswirkungen auf die Tierwelt müssen viel gründlicher als bislang untersucht werden.

MOZ Henning Kraudzun  14.8.2014